Ben Pötke

Die Flatrate fürs Auto

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Im Bereich Mobilfunk und DSL sind Komplettangebote mittlerweile die Regel. Es wird monatlich ein festgelegter Betrag gezahlt, für den der Kunde das Angebot ganz nach seinen Wünschen nutzen kann. Dabei ist es egal, ob der Kunde den Vertrag voll ausschöpft oder mitunter sogar gar nicht nutzt.

Während das Flatrate-System in anderen Bereichen schon wieder gescheitert ist – man denke da beispielsweise an die Flatrate-Partys – sind in jüngster Vergangenheit wieder vermehrt Angebote im Automobilmarkt aufgetaucht, die unbegrenzte Nutzung zu einem Paketpreis versprechen. Wir haben uns ein paar dieser Angebote angeschaut und geben euch einen Überblick über die Funktionsweise, die Anbieter sowie die Vor- und Nachteile dieser Aktionen.

Was beinhaltet eine Auto-Flatrate?

Entscheidet man sich zu einem Autokauf, ist meist nur das Fahrzeug im Kaufpreis enthalten. Häufig wird dazu noch ein Finanzierungsmodell angeboten, welches sich im aktuellen Zinstief für den Kunden durchaus lohnen kann. Mit Flatrates versuchen Händler nun, den Kunden den Autokauf schmackhaft zu machen. Für einen monatlichen Festpreis in einer festgelegten Mindestvertragslaufzeit müssen sich Autofahrer um viele weitere Aspekte keine Gedanken mehr machen. Im Preis enthalten sind so beispielsweise die Kfz-Versicherung, Wartungsarbeiten oder eine Mobilitätsgarantie.

Was ist nicht mit dabei?

Nicht in der Flatrate enthalten sind natürlich die Kosten für Benzin oder Diesel. Häufig ist das Auto auch nur mit Ganzjahresreifen ausgestattet und ein Satz echter Winterreifen fehlt. Kfz-Steuern kommen meist ebenso noch oben drauf, genauso wie die Kosten für die Zulassung oder die Kennzeichen.

Überführungskosten fallen bei fast allen Herstellern an. Hier gilt es, besonders Acht zu geben. Am Ende der vereinbarten Vertragslaufzeit wird das Fahrzeug wieder zurückgegeben. Häufig sind Diskussionen über den Zustand und den Grad des Verschleißes die Folge und fette Nachzahlungen können fällig werden.

Vor- und Nachteile der Auto Flatrate

Die positiven Aspekte für Autofahrer liegen auf der Hand. Die monatlich fälligen Kosten fürs Auto sind eindeutig bezifferbar und können entsprechend in den Haushaltsplan einkalkuliert werden. Außerdem entfällt die lästige Suche nach dem günstigen Versicherungstarif und der geeignetsten Finanzierung oder der Preisvergleich im Falle einer anstehenden Reparatur.

Den Vorteilen stehen aber auch einige negative Argumente gegenüber. Flatrate ist nicht gleicht Flatrate und die Angebote unterscheiden sich bei den verschiedenen Händlern mitunter deutlich. Hinzu kommt, dass meist sogar mehrere „Rundum-Sorglos-Pakete“ angeboten werden. Hier muss im Vorfeld genau verglichen werden, mit welcher Variante der Kunde am günstigsten bzw. besten fährt.

Darüber hinaus ist der Preis in der Regel nicht verhandelbar. Der Kunde ist genötigt, den Listenpreis zu zahlen. Ihm entgeht so ein beim regulären Autokauf meist schon einkalkulierter Preisnachlass von fünf bis zehn Prozent. Außerdem fallen meist Bearbeitungsgebühren an, die schnell mehrere 100 Euro betragen können. In den ersten vier Jahren fallen meist sowieso kaum größere Reparaturen an. Dem Kunden wird hier also eine Sicherheit vorgegaukelt, die er auch so hätte.

Ziele der Händler

Die Autohändler verfolgen mit dem Modell der Flatrates in der Regel drei Ziele. Die Preise werden aufgrund des aktuellen Listenpreises berechnet. In Zeiten von Umweltprämie und weiteren Rabattangeboten ist dies jedoch ohnehin ein unrealistischer und nicht erreichbarer Preis für die Händler. Dem Feilschen um weitere Preisnachlässe wird so ein Riegel vorgeschoben.

Dadurch, dass gewisse Reparatur- und Wartungsleistungen im Preis inklusive sind, bindet sich der Kunde natürlich an die Vertragswerkstatt. Eigentlich ist diese Bindung seit 2002 nicht mehr zulässig. Die Händler haben sich so ein Hintertürchen geschaffen, wie sie ihre Kunden dennoch an ihre Werkstätten binden können und so für eine höhere Auslastung sorgen können.

Zu guter Letzt können die Händler durch Flatrates auch bei weniger gefragten Modellen eine neue Absatzmöglichkeit schaffen. Den Kunden wird so suggeriert, dass das verfügbare Modell nachgefragt und damit hochwertig sei.

Probleme in der Praxis

Flatrates oder „Rundum-Sorglos-Pakete“ werden mittlerweile bei nahezu jedem Händler angeboten. Der Telekommunikations-Anbieter 1&1 wollte auf diesen Zug aufspringen und hatte sich Anfang des Jahres mit Autovermieter Sixt zusammen getan. Im günstigsten Fall konnten 1&1-Kunden mit Smartphone-Flatrate für nur 99 Euro im Monat einen Peugeot 208 leasen, inklusive Versicherung, Steuern, Zulassung und Überführung.

Doch das Angebot ging nach hinten los. Aus anfangs kalkulierten wenigen hundert Kunden wurden innerhalb kurzer Zeit rund 5000. Das war eindeutig zu viel für die Peugeot-Händler, die im Vorfeld offenbar nicht ausreichend über die Marketing-Aktion informiert wurden. Sie mussten Probefahrten organisieren nur um im Anschluss mit anzusehen, wie der Kunde einen Flatrate-Vertrag mit 1&1 abschloss, der dazu auch noch rund vierzig Prozent günstiger war, als der Listenpreis. Im Zuge dieses Desasters verloren unter anderem Peugeot-Deutschlandchef Benno Gaessler sowie Citroën-Boss Holger Böhme ihren Job.

Fazit

Flatrates fürs Auto können für manche Kunden und Modelle wahre Schnäppchen sein. Dies ist jedoch keine Garantie dafür, dass sie in jedem Fall die günstigere Alternative sind. Wie immer hilft es, sich vorher klar zu machen, was eigentlich von solchen Angeboten erwartet wird. Wie so häufig sitzt der Teufel im Detail und im Kleingedruckten werden Leistungen ausgeschlossen, von denen man eigentlich erwartet hätte, dass sie mit inbegriffen sind. Ein genauer Vergleich mit anderen Angeboten ist in jedem Fall sinnvoll. Auch sollte in die Entscheidung mit einbezogen werden, ob andere Modelle wie Carsharing am Ende des Tages nicht die bessere Alternative wären.

Und weil das beim Autokauf ja durchaus auch zu beachten ist: Oben im Video erfahrt ihr, welche Modelle das drahtlose Laden vom iPhone 8 oder iPhone X unterstützen!

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