eBike Umrüstung
Ben Pötke

So wird jedes Fahrrad in ein E-Bike verwandelt

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Fahrräder mit elektronischem Zusatzantrieb liegen voll im Trend. Wurden 2009 nur etwa 150.000 Stück der elektrisch betriebenen Räder verkauft, hat sich diese Zahl bis 2016 auf knapp über 600.000 vervierfacht. Deutschland ist im europäischen Vergleich Vorreiter in Sachen Elektromobilität auf zwei Rädern. Auf unseren Straßen sind seit Anfang diesen Jahres etwa drei Millionen E-Bikes unterwegs, Tendenz steigend.

Auf dieser Erfolgswelle natürlich möchten auch einige Hersteller von Nachrüstsätzen mitschwimmen. Denn normale Bikes lassen sich so schnell in ein E-Bike verwandeln. Auf diversen Crowdfunding-Plattformen wie kickstarter oder indiegogo erzielten die Unternehmen große Anfangserfolge und übertrafen die gesteckten Finanzierungsziele zum Teil mehr als deutlich.

Aus Fahrrad wird E-Bike

Die grundlegende Idee ist eigentlich bei allen Anbietern gleich: Ans herkömmliche Fahrrad wird ein externer Motor angebaut, der den Fahrer unterstützen soll und ihm mehr oder weniger großen Antrieb verschafft. In der Umsetzung dieser Idee unterscheiden sich die verschiedenen Anbieter jedoch grundlegend.

Nachrüstsatz via Tretlager

#1 Bimoz

Bei dieser Nachrüstlösung wird die zusätzliche Motorkraft im Tretlager übertragen. Der Hersteller bimoz aus Italien und der Schweiz verspricht beispielsweise eine Montage in etwa 20 Minuten, passend für jede Art von Fahrrad. Im Mai 2016 sammelte das Unternehmen über eine halbe Millionen US-Dollar auf Indiegogo und im Juli 2017 soll mit der Auslieferung der Kits begonnen werden.

Das Starterkit soll für knapp 1700 US-Dollar verfügbar sein, das Premiummodell mit vergrößerter Akkukapazität kostet etwa 150 US-Dollar mehr. Die Reichweite liegt hier laut Hersteller bei etwa 150 Kilometern, beim Standard-Akku bei bis zu 60 km – abhängig von Geschwindigkeit, Gelände, Fahrergewicht und Fahrbedingungen.

#2 Bikee Bike

Bikee Bike aus Italien setzt auf ein ähnliches Konzept. Auch hier wird das Tretlager ersetzt, auch hier wurde eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne gestartet. Besonderes Augenmerkt wird hierbei auf einen verlässlichen Antrieb in den Bergen gelegt, der auch bei Steigungen von bis zu 58 Prozent nicht schlapp machen soll. Bei 20 Prozent Motorunterstützung soll der 11,6 Amperestunden große Akku der Spitzenvariante im flachen Land bis zu 300 Kilometer weit reichen. Die günstigste Version soll etwa 1600 Euro kosten, das Spitzenmodell etwa 2200 Euro.

Nachrüstsatz als Plug & Play-Lösung

Die Hersteller dieser Lösung belassen es nicht bei Zusatzteilen für herkömmliche Fahrräder. Hier werden auch gleich ganze Räder ausgetauscht und durch neue ersetzt, die natürlich vollgestopft sin mit Technik.

#1 GeoOrbital

GeoOrbital sieht eher aus wie ein Bauteil für ein Raumschiff. Im Rad selbst ist die komplette Technik für den Antrieb sowie die Batterie enthalten. An drei Berührungspunkten wird die Kraft vom Motor an die Felge übertragen. Während sich die Felge wie gewohnt dreht, bleibt der Antrieb in der Mitte stets in der gleichen Position.

Mit Hilfe eines kleinen Gashebels kann die Kraft bequem vom Lenker aus gesteuert werden. Wird das Rad vorne an der Gabel montiert, verspricht der Hersteller eine Montage in nur einer Minute. Für knapp 1000 US-Dollar bekommt man ein GeoOrbital in 26 oder 28 Zoll.

#2 UrbanX

Ein ähnliches Konzept verfolgt UrbanX. Die kickstarter-Kampagne lag knapp zwei Wochen vor Ende weit über dem Finanzierungsziel von 50.000 US-Dollar und hat mittlerweile über 600.000 Dollar erreicht. Auch hier kann das Vorderrad in Minutenschnelle ersetzt werden. Nur noch ein Gasgriff und ein Display am Lenker angebaut, fertig.

Durch den austauschbaren Akku sind auch weitere Strecken mit elektronischer Unterstützung kein Problem mehr. In der kleinsten Ausführung werden etwa 650 Euro fällig, sollte es das Produkt in Deutschland auf den Markt schaffen.

Nachrüstsatz via Reifen und Felge

Die Idee hinter dieser Kategorie an Nachrüstsätzen ist, die Kraft des Motors nicht im Tretlager zu übertragen, sondern sie direkt an Felge oder Reifen wirken zu lassen.

#1 Velospeeder

Der Velospeeder von Veological funktioniert vom Prinzip her wie ein umgekehrter Dynamo. Zwei kleine Elektromotoren werden an beiden Seiten der Hinterradfelge angebracht. Werden sie unter Strom gesetzt, verkeilen sie sich an den Felgenflanken und bringen so den Antrieb für das Rad. Insgesamt kostet die Umrüstung inklusive der kleinsten Akkuvariante mit 188 Wattstunden knapp 1200 Euro. Der Erfinder des Velospeeder ist Diplomingenieur Peter Frieden, der mit seiner Kleinwindanlage Easywind 6 einigen sicher ein Begriff ist.

#2 Go-e ONwheel

Anbieter go-e ONwheeel setzt zwar auch auf einen Reibradantrieb, überträgt die Kraft des Motors jedoch nicht an den Felgenflanken, sondern direkt auf den Reifen.

Das Unternehmen aus Österreich konnte Ende 2015 über 300.000 Euro bei kickstarter sammeln und verspricht eine Montage in unter fünf Minuten. Das Standardset ist für knapp 600 Euro zu haben, die zwei Batterien bieten zusammen 196 Wattstunden und halten bei geringer Unterstützung etwa 60 Kilometer durch.

Nachrüstsatz im Anhänger

Etwas allein steht die aus dem Jahr 2014 stammende Idee von Rich Wolf in unserer Übersicht. Sein Wattwagon ist ein Fahrradanhänger mit integriertem Motor, der wie bei einer Lok das Fahrrad von hinten anschiebt. Der Anhänger Marke Eigenbau verpasste das Finanzierungsziel von 5000 US-Dollar zwar, jedoch ist die Idee sehr interessant, kann im Anhänger doch ein wesentlich größerer Akku verbaut werden als in den Nachrüstsätzen, die die meist sperrigen Batterien am Rahmen befestigen müssen. Kostenpunkt: 1.299 Dollar.

Fazit

Ihr seht, es muss nicht immer sofort ein komplett neues E-Bike sein. Vor allem, wenn man bereits etwas mehr Geld in ein neues Fahrrad investiert hat, kann es sich durchaus lohnen, auf ein Nachrüstset zurückzugreifen. Wir immer gilt es, genau zu schauen, welcher Antrieb zu den eigenen Anforderungen passt.

Auch die gesetzlichen Voraussetzungen in Deutschland sollten nicht außer Acht gelassen werden, da nur E-Bikes mit Motoren mit unter 250 Watt und einer Geschwindigkeit unter 25 km/h Fahrrädern gleich gestellt sind. Dies gilt auch für nachträglich angebaute Motoren. Andernfalls wird eine Betriebserlaubnis notwendig, die einhergeht mit Versicherungs-, Kennzeichen- und Fahrerlaubsnispflicht.

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