Spinat / ©iStock
sohomen.de-Redaktion

Spinat-Doping: Was hat es mit dem Popeye-Effekt auf sich?

alles abspielen besuchen

Spinat als Wundermittel hat bereits die Comicfigur Popeye vor über 90 Jahren erfolgreich genutzt. Der im Jahr 1929 von dem amerikanischen Zeichner Elzie Crisler Segar erfundene Matrose bekam nur durch Spinat seine Superkräfte. Erstmalig konnte eine Studie der Freien Universität Berlin nachweisen, dass das Spinat-Extrakt Ecdysteron zur Leistungssteigerung im Sport führt.
Ist Spinat das neue Doping? Die Freie Universität Berlin hat im Juni 2019 eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der eine Leistungssteigerung durch Spinat während des Trainings wissenschaftlich nachgewiesen werden konnte. Die groß angelegte Humanstudie wurde an der Freien Universität Berlin durchgeführt und von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA unterstützt. Ebenfalls beteiligt waren die Deutsche Sporthochschule Köln sowie das Anti-Doping-Labor Rom und das Anti-Doping-Labor Sydney.

Spinat vs. Placebo

Zehn Wochen lang wurden insgesamt 46 Sportlern in einer sogenannten doppelblinden Studie während eines Krafttrainings die im Spinat enthaltene Substanz Ecdysteron oder eine Placebo-Substanz in Form von Kapseln zugeführt. Die Probanden wussten nicht, welche Substanz sie bekommen. Sowohl vor als auch nach den zehn Wochen absolvierten die Probanden Sportübungen wie Bankdrücken oder Kniebeugen. Nach Ablauf der Studie haben die Sportler, denen die Substanz Ecdysteron zugeführt wurde, einen stärkeren Zuwachs an Maximalleistung erreicht und schnitten bei den Ergebnissen deutlich besser ab.

Überraschende Ergebnisse

Im Vergleich zur Placebo-Gruppe konnte ein dreimal so hoher Kraftzuwachs verzeichnet werden. Laut den Wissenschaftlern der Studie kann Ecdysteron starke Effekte auf die Muskelzellen bewirken und zu Leistungssteigerungen im Spitzensport führen – ganz ohne Nebenwirkungen.Im ARD-Radio-Recherche Sport und ARTE Re/BR DokThema berichtet Maria Parr, Leiterin der Studie und Professorin am Institut für Pharmazie der FU Berlin, dass die Forscher mit einer Leistungssteigerung gerechnet hätten: „[…] aber dass die so groß sein würde, das hatten wir nicht erwartet“. Weiterhin empfiehlt sie, Ecdysteron auf die Doping-Liste zu setzen.

Hintergründe der Studie

In den letzten Jahren sind immer mehr Nahrungsergänzungsmittel mit Ecdysteron aufgetaucht, das als ein Phytosteroin bezeichnet wird. Hierbei handelt es sich um Substanzen der chemischen Klasse von Sterolen. Diese kommen in Pflanzen natürlich vor. Chemisch lassen sie sich von Chloesterol ableiten. Ecdysteron ist der Hauptinhaltsstoff im Spinatextrakt.

Laut den Experten wirkt er über den Extrogen-Rezeptor beta. Mit Ecdysteron werben die Nahrungsergänzungsmittel für Leistungssteigerung, aber auch für Aufbau von Muskelmasse und Reduzierung von Müdigkeit sowie schnellere Erholung während des Trainings.
Weiterhin tauchten vermehrt Hinweise auf, dass Ecdysteron im russischen Sport bereits eingesetzt wird. Bereits in den 80er Jahren war Ecdysteron als „the Russian Secret“ für Leistungssteigerung bei Sportlern bekannt.
Außerdem hätte Ecdysteron in Tierversuchen stärkere Effekte auf die Muskelzellen als etwa anabol androgene Steroide.

Geringe Dosis entspricht mehreren Kilos frischem Spinat

Je nach Sorte und der Ernte des Blattspinats würde die geringe Dosis der Studie – nämlich zwei Kapseln am Tag – mindestens 250 Gramm bis etwa vier Kilogramm Spinat bedeuten. Diese Portionen müssten Sportler zehn Wochen lang täglich zu sich nehmen, damit die gleiche Leistungssteigerung erreicht werden kann, wie bei den Probanden.
„Um die Wirkung der höheren verabreichten Dosis zu erreichen, müssten sogar ein bis 16 Kilo Spinat verzehrt werden“, so Maria Parr.

Kommt Ecdysteron auf die Doping-Liste?

Bisher ist noch nicht ersichtlich, wie überprüft werden soll, ob ein Sportler Ecdysteron zu sich genommen hat oder doch einfach viel Spinat gegessen hat. Dass Spinat (und andere Lebensmittel wie etwa weiße Champignons, Quinoa oder Spargel, die ebenfalls hohe Mengen an Ecdysteron enthalten) im Leistungssport selbst verboten wird, ist sehr unwahrscheinlich. Ob allerdings Ecdysteron schon bald zu den verbotenen Mitteln zählen wird, muss das zuständige Expertengremium der WADA entscheiden. Zuerst werden jedoch weitere Untersuchungen erwartet, u.a. um herauszufinden, wie weit verbreitet Ecdysteron im Spitzensport tatsächlich ist.

Auch wenn Popeyes schnell wachsende Muskeln durch eine Portion Spinat unerreichbar bleiben, als Leistungsquelle dient das Wundermittel auch dank Eisen, Folsäure, Zink oder Kalium allemal.

cool good eh love2 cute confused notgood numb disgusting fail