Ben Pötke

Superfoods

alles abspielen besuchen

Nahrung mit Superkräften?!

Gesunde Ernährung liegt im Trend. Die verschiedenen Obst- und Gemüsearten kennt jeder. Doch mittlerweile musst du dich nicht mehr nur mit Brokkoli oder Vollkornbrot begnügen. Seit einigen Jahren schaffen es die sogenannten Superfoods in die Regale der deutschen Küchen. Doch was sind Superfoods? Und machen diese wirklich Sinn? Wir nehmen hier einige dieser extravaganten Nahrungsmittel unter die Lupe.

Was sind Superfoods?

Die neuen, trendigen Superfoods sind pflanzliche Lebensmittel mit sehr hoher Nährstoffdichte aus meist weit entfernten, exotischen Gegenden. Vielen von ihnen werden fast magische Heilkräfte nachgesagt. Das mit den Heilkräften ist zwar größtenteils Quatsch, aber davon mal abgesehen, haben viele dieser Superfoods wirklich einiges zu bieten.

Sie versprechen einen gesunden, fitten und schönen Körper. Besonders attraktiv sind die Superfoods für ernährungsbewusste Menschen mit einem Hang zum Veganen. Doch auch beim Standard-Esser werden diese Lebensmittel immer beliebter. Die meisten Superfoods werden hingegen oftmals viel zu weit über unsere heimischen Nahrungsmittel gehoben. Wir vergleichen diese drei „neuen“ Superfoods und schauen, ob sie halten, was die Werbung verspricht.

Baobab – Der Zauberbaum

Bao was? Ja, Baobab hört sich etwas gewöhnungsbedürftig, wenn nicht sogar ausgedacht an. Doch dem ist nicht so – ganz im Gegenteil. Bei diesem Superfood handelt es sich um einen mächtigen, afrikanischen Affenbrotbaum. Diesen findet man in den Savannen Afrikas, in den tropischen Gebieten, den Komoren und Madagaskar. Sein Name „Baobab“ wird von dem arabischen Begriff „bu hibab“ abgeleitet, was soviel wie „Frucht mit vielen Samen“ bedeutet. Bereits seit Jahrhunderten nutzen die Afrikaner fast sämtliche Teile des Baobabs zur Herstellung ihrer traditionellen Heilmittel. Das geht sogar soweit, dass ganze Stämme umsiedeln sollte ihr Baobab sterben.

Es gibt unzählige Mythen und Geschichten um diesen Affenbrotbaum. Rings um einen Baobab gibt es angeblich weniger Infektionskrankheiten oder Epidemien. Und wenn nicht gerade ein Elefantenbulle den mächtigen, mit Wasser vollgepumpten Stamm des Baobabs leer trinkt und dieser dadurch stirbt, erreichen diese mythischen Riesen ein biblisches Alter von bis zu 3000 Jahren. Daher werden Baobabs auch als „Baum des Lebens“ bezeichnet.

Hört sich alles sehr vielversprechend an und das ist es tatsächlich auch. Die Baobab-Frucht liefert eine Fülle an Vitaminen, Mineralstoffen und Polyphenolen. Die Polyphenole wirken antioxidativ und sollen einen höheren Antioxidantiengehalt haben als die in Deutschland schon sehr beliebten Acai- oder Goji-Beeren. Die Polyphenole sind die Farb- und Geschmacksstoffe der Frucht und wirken außerdem entzündungshemmend und krebsvorbeugend.

Du kannst mit einer Tagesportion Baobabpulver, welche aus 10-15 Gramm besteht, deinen Vitamin C-Bedarf schon zu einem Drittel decken, hinzu kommt die hohe Kaliummenge in der Frucht, welche besonders für die Muskeln und die Nerven von besonderer Wichtigkeit ist. Diese deckt eine Tagesportion Baobabpulver schon bis zu 20 Prozent ab. Außerdem enthält die Baobabfrucht sehr viel Eisen. Hinzu kommt die präbiotische Wirkung, welche Magenbeschwerden entgegen wirkt. Kein Wunder also, dass zahlreiche Hollywoodstars und Supermodels bereits auf Baobab schwören. Du solltest also durchaus darüber nachdenken, dieses „Wundermittel“ in deinen Ernährungsplan mit aufzunehmen.

Moringa Oleifera – der Meerrettichbaum

Der Moringabaum wird auch als „Baum der Unsterblichkeit“ bezeichnet und gilt als nährstoffreichstes Gewächs der Welt. Ursprünglich aus den nordindischen Regionen des Himalayas stammend, findet man ihn heute auch in weiten Teilen Asiens, in Afrika und Lateinamerika. Der auch als „Wunderbaum“ bezeichnete Moringa kann laut indischem Volksglauben über 300 Krankheiten heilen und wächst auch unter widrigsten Umständen.

Besonders die Samen und die Blätter werden zur Trinkwasseraufbereitung in Dritte-Welt-Ländern benutzt. Fast alle Teile des Baumes sind essbar und werden so, besonders in Entwicklungsländern, optimal verwendet. Bei uns wird der Moringabaum als bestes Superfood angepriesen, da er in Pulverform den Tagesbedarf an Vitamin E, Vitamin B2, Vitamin A, Calcium und Eisen deckt. Auch dieses Superfood verdient seinen Namen, nur solltest du die mediale Glorifizierung des Moringabaumes nicht allzu ernst nehmen. Er kann viel, aber nicht alles. Dennoch absolut empfehlenswert.

Freekeh – Der Wunderweizen

Bei uns neu, im Libanon seit tausenden Jahren auf der Speisekarte, ist die gesunde Weizenart Freekeh. Der Weizen schmeckt ähnlich wie brauner Reis, enthält aber viermal mehr Protein und Ballaststoffe. Der vor der Reife geerntete Weizen punktet außerdem mit seiner langen Sättigungsdauer, was daran liegt, dass sein glykämischer Index sehr niedrig ist – und das ist äußerst selten. Also kannst du Freekeh durchaus mal als Reisersatz austesten. Auch dieses, für uns neue Superfood, ist äußerst empfehlenswert.

Ist Superfood supergut?

Neben all den positiven Eigenschaften der Superfoods, können diese sogar echte Nachteile haben: Die aus China stammende Goji-Beere beispielsweise ist nicht nur durch die hohe Schadstoffbelastung negativ aufgefallen, sie hemmt unter anderem auch die Wirkung blutverdünnender Medikamente. Andere Superfoods wie Chia-Samen können Darmentzündungen begünstigen. Zudem besteht generell die Gefahr, dass der Bestand dieser exotischen Früchte in den Heimatländern durch den plötzlichen Boom in den westlichen Ländern gefährdet wird. Bestes Beispiel dafür ist der Hoodia-Kaktus. Dieser zählte eine Zeit lang zu den beliebtesten Superfoods und wäre beinahe ausgerottet worden.

Als Fazit lässt sich nur sagen, dass die neuen Superfoods durchaus zu empfehlen sind, auch wenn die schon fast dramatischen Lobpreisungen in den Medien übertrieben sind. Wenn du dich davon nicht ablenken lässt und dir die nackten Zahlen und Wirkungen ansiehst, spricht nichts dagegen, diese mal auszutesten. Aber kritisch betrachtet muss man sagen, dass es einige regionale Nahrungsmittel mit ähnlichen Wirkstoffen gibt und diese, im Hinblick auf die globale Erwärmung, natürlich umweltfreundlicher im Endverbrauch wären.

cool good eh love2 cute confused notgood numb disgusting fail