Facebook kennt unsere Freunde, unser Surfverhalten und soll jetzt auch frühzeitig Auskunft über Erkrankungen geben. Zuckerbergs nächster Geniestreich? ©iStock
Julia Hahnke

Das verrät Facebook über deine Gesundheit

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Laufende Nasen, Kopf- und Gliederschmerzen oder Schwindelgefühl und Übelkeit – Die Symptome, die uns den Weg zum Hausarzt antreten lassen, sind nicht die einzigen, die über eine Krankheit Auskunft geben. Wie Aponet, das offizielle Gesundheitsportal der deutschen ApothekerInnen berichtet, hat ein amerikanisches Forscherteam 21 Krankheitsbilder gefunden, bei denen die Wortwahl in Facebook-Beiträgen Auskunft über Krankheitsbilder geben soll. Was steckt hinter der Analyse und wie zuverlässig ist es, das Krankheitsbild anhand von Social-Media-Beiträgen zu bestimmen?

Zeig mir, was du teilst und ich sag dir, wie krank du bist

Forscherteams der University of Pennsylvania und der Stony Brook University forschten daran, bestimmte Krankheiten relativ zuverlässig mit der Sprache in Social-Media-Posts zu verknüpfen. Psychische Krankheiten wie Diabetes, Alkoholabhängigkeit oder Depressionen könnten laut Forscher schnell bestimmt werden. Die Idee dahinter: Sprache ist ein Indikator für bestimmte Verhaltensmuster und Zustände.

Flaschen, Torten und Depressionen

Wir alle haben in unserem Freundeskreis Bekannte, die permanent Fotos von ihrem Essen auf Instagram posten und bei so manchen Bildern von Torten und anderen Süßspeisen liegt der Verdacht nahe, dass die Betroffenen unter einer Essstörung oder wenigstens einem hohen Mitteilungsbedürfnis leiden.

Laut der Untersuchung lassen sich verwendete Worte sogar genau auf Symptome beziehen: Wer z.B. häufig das Wort Flasche verwendet, ist häufiger Alkoholiker und Personen, die öfter religiöse Inhalte teilen oder posten, leiden bis zu 15 mal häufiger an Diabetes, als Personen, die wenig religiöse Inhalte teilen.

Zuverlässige Vorhersage oder Humbug

Obwohl die Schlagzeile wie ein schlechter Scherz klingt, beruhen die Untersuchungen auf empirischen Daten. Big Data, also alle Informationen, die über ein Individuum erhoben und verknüpft werden, liefern teils erschreckend genaue Informationen.

Neu ist das nicht. Schon Sozialwissenschaftler waren früh in der Lage, Marketinginstituten zuverlässige Vorhersagen zum Konsumverhalten potentieller Kunden zu liefern. Die Daten dazu stammen vor Jahren noch aus Umfragen. Heute bieten Erhebungen zum Surfverhalten im Internet alles was nötig ist, um sich ein Bild über den Geisteszustand zu machen oder auf Individuen zugeschnittene Werbung zu platzieren – ob wir wollen oder nicht.

Big Data weiß mehr über dich als deine Eltern

Das Bedürfnis, alles im Internet zu teilen und die Angst davor, etwas zu verpassen, auch „fear of missing out“ genannt, wären bei manchen schon Grund genug für eine Therapie. Methoden der Berechnung unseres Verhaltens anhand von Suchanfragen, dem Wohnort, unserem Alter und Geschlecht oder dem Auto das wir besitzen sind erschreckend zuverlässig. Wie weit das geht, zeigt das Magazin Netzpolitik.org: So verblüffte eine große Kaufhauskette aus den USA einen Vater mit Coupons zu Produkten rund um die Schwangerschaft und für Neugeborene, die an seine Tochter adressiert waren.  Seiner Beschwerde, ob die Kette seine Tochter zur Schwangerschaft motivieren wolle, folgte wenige Monate später die Geburt – Die Kaufhauskette konnte anhand des Kaufverhaltens berechnen, dass die junge Frau bald ein Kind bekommen würde und reagierte entsprechend mit Werbemaßnahmen.

Google kennt heute aufgrund von Suchanfragen alle unsere Bedürfnisse und Gelüste. Viele der Informationen würden wir auch mit engen Vertrauten nicht teilen. Den digitalen Rechenmaschinen liefern sie genug Stoff, um ein realistisches Bild über die Internetnutzer zu erstellen. Neben Krankheitsbildern werden auch Möglichkeiten der Verbrechensfrüherkennung anhand verknüpfter Daten eingesetzt und immer genauer. Vielleicht weist uns Facebook in einigen Jahren freundlich darauf hin, dass wir den Weg zum Arzt antreten sollten – Nützlich wären die gesammelten Informationen dann immerhin nicht nur für Konzerne.

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