Sauna-Aufguss / ©iStock
Ben Pötke

Kann ein Besuch in der Sauna das Fitnessstudio ersetzen?!

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Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Anstatt mehrere Stunden pro Woche im Fitnessstudio, beim Joggen oder in der Schwimmhalle zu schuften, soll es angeblich genauso effektiv sein, einmal pro Woche für ein paar Minuten in der Sauna zu schwitzen.

Bevor wir aber nun voller Enthusiasmus die Studio-Mitgliedschaft kündigten und die Laufschuhe wegschmeißen, schauen wir, was wirklich dran ist am hartnäckigen Sauna-statt-Workout-Mythos und geben praktische Tipps, wie man am besten beide Aktivitäten miteinander verbindet. Denn so viel sei verraten: Sowohl Sauna als auch Sport tun dem Körper gut.

Was passiert beim Saunieren?

Wichtigster Bestandteil beim Saunagang ist der Wechsel von warmen und kalten Temperaturen. Durch die Temperaturunterschiede wird das Immunsystem angeregt und gestärkt, der Stoffwechsel verbessert sowie die Atmungsaktivität erhöht. Der gleiche Effekt kann auch bequem zu Hause durch Wechselduschen erreicht werden, wenn auch in deutlich abgeschwächter Form. Denn das Schwitzen beim Saunieren ist ein weiterer wichtiger Aspekt, der der Gesundheit zuträglich ist. Durch die erhöhten Temperaturen öffnen sich die Körperporen und geben Schlack- sowie Giftstoffe frei, die durch den Schweiß auf natürliche Weise abtransportiert werden.

Wie auch beim Training solltet man es am Anfang langsam angehen lassen. Als Beginner empfiehlt sich ein Saunagang von acht bis zwölf Minuten, stets gefolgt von einer ordentlichen Abkühlung und einer angemessenen Ruhephase. Dieser Zyklus sollte etwa zwei bis drei Mal wiederholt werden, um das Immunsystem optimal auf kommende Aufgaben vorzubereiten. Vor allem in der kalten Jahreszeit kann Saunieren wahre Wunder bewirken und einen vor leichten Erkältungen und anderen Infekten schützen.

Was macht Saunieren auf lange Zeit mit dem Körper?

Forscher haben vor einigen Jahren mit Hilfe einer Langzeitstudie herausgefunden, dass nach dem Saunieren ähnliche Effekte auftreten wie nach dem Training. Dabei ging es um die Risikoprävention von Herzinfarkten. Bei 2.315 Männern mittleren Alters wurde untersucht, wie sich regelmäßige Saunabesuche auf die Gesundheit auswirken. Um weitere Einflussfaktoren auszuschließen, wurden die Probanden in Risikogruppen aufgeteilt und beispielsweise der allgemeine Fitness- und Gesundheitszustand oder das Rauchverhalten berücksichtigt.

Nach 20 Jahren standen die Ergebnisse fest. Die Teilnehmer, die mindestens einmal pro Woche in die Sauna gingen, um sich so zu entgiften, waren insgesamt gesünder als die Probanden, die selten oder gar nicht Schwitzen gingen. Dieser Effekt trat sogar unabhängig von Faktoren wie Nikotin- oder Alkoholgenuss auf. So sinkt die Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt nicht zu überleben, um 52 Prozent, sobald einmal pro Woche für 19 Minuten sauniert wird. Interessanterweise schwächt der Effekt jedoch deutlich ab, wenn es pro Woche nur elf Minuten sind. Darüber hinaus sind zu häufige Saunabesuche auch nicht besser, aber immer noch gesünder, als gar nicht in die Sauna zu gehen.

Sauna so effektiv wie Training?

Um es direkt einmal vorweg zu nehmen: Ein Saunagang ersetzt nicht das Workout. Auch wenn bei beiden Aktivitäten das Immunsystem gestärkt wird, sind sie nur bedingt miteinander zu vergleichen. Denn was in der Sauna fehlt, ist die Muskelaktivität. Nur durch gezielte Belastungen und entsprechendes Training können Muskelfasern dazu angeregt werden, sich zu verdicken. Gleiches gilt für die Fettverbrennung. Auch hier reicht die bloße Hitze nicht aus, um die Pfunde purzeln zu lassen. Eine eventuelle Gewichtsabnahme nach dem Saunieren lässt sich daher immer mit dem Wasserverlust durchs Schwitzen erklären.

Vor oder nach dem Sport in die Sauna?

Steht ein hartes Training oder ein wichtiger Wettkampf an, sollte der Besuch in der Sauna unmittelbar davor unbedingt vermieden werden. Durch die Hitze werden dem Körper Wasser und wichtige Mineralstoffe entzogen. Diese Speicher müssen erst einmal wieder aufgefüllt werden, bevor dem Körper weitere Höchstleistungen und Stresssituationen abverlangt werden. Die eigene Leistungsfähigkeit ist schlicht und ergreifend nicht auf dem maximal möglichen Level. Ebenso sollte auch zwischen zwei Saunagängen auf Sport verzichtet werden, da der Körper die Ruhephase zur Regeneration benötigt. Am Abend vor dem Training oder Wettkampf in die Schwitzkammer zu gehen, ist jedoch kein Problem. Mit genügend Flüssigkeitszufuhr werden die Speicher sprichwörtlich im Schlaf wieder aufgefüllt.

Oftmals wird ein Besuch in der Sauna nach dem Sport empfohlen. Doch im direkten Anschluss an eine Trainingseinheit ist das nicht unbedingt die beste Idee. Vor allem nach anstrengenderen und härteren Workouts ist der Körper noch zu geschwächt, als dass er direkt eine weitere Ladung Stress vertragen könnte. Eine Pause von bestenfalls einigen Stunden ist daher absolut zu empfehlen. Auch nach leichteren Einheiten sollten sich der Puls, Herzschlag und die Atmung erst auf Normalniveau reguliert haben, bevor man in die Sauna geht.

Neuer Trend: Infrarotsauna

Die klassische, finnische Sauna dürfte jedem bekannt sein. Seit ein paar Jahren gibt es aber auch so genannte Infrarotsaunen, bei denen die Hitze nicht vom heißen Stein oder dem offenen Feuer kommt, sondern durch infrarote Strahlen. Hier können vor allem Menschen, die normale Saunen als auslaugend und belastend empfinden, in den Genuss eines wohltuenden Besuchs in der Wärmekammer kommen.

Dabei erhitzen Infrarotstrahlen die Kabine und den Körper auf angenehmere 40 bis 50 Grad. Die Strahlen dringen in den Körper ein und sorgen so für einen Tiefenwärmeeffekt. Dadurch werden andere schädliche Stoffe aus dem Körper transportiert als bei der finnischen Sauna. Auch die Milchsäure in den nach dem Training übersäuerten Muskeln wird auf schonende Weise reduziert und beugt so schmerzenden Muskeln vor.

Fazit

Auch wenn Saunieren im Ansatz einen ähnlichen Effekt auf den Körper hat und das Immunsystem ungefähr genauso wie sportliche Betätigung stärkt, kann der Gang in die Sauna keineswegs ein ausgedehntes Fitnesstraining ersetzen. Denn während zwar das Herz-Kreislauf-System angeregt wird, schmilzt das Körperfett nur durch klassische Muskelbetätigung. Und um diese benötigten Muskeln aufzubauen, wird zwangsläufig Sport und Training gebraucht.

Zur Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens und der Gesundheit kann ein Besuch in der Sauna empfehlenswert sein. Wer langsam anfangen möchte oder klassische Saunen eher anstrengend und belastend wahrnimmt, sollte den neuen Infrarotsaunen einen Besuch abstatten.

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