Andreas Fromm

Darum wird dem eSport die Zukunft gehören

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Früher als Stubenhocker oder Nerd betitelt, treten Gamer heute immer mehr aus ihrer Außenseiter-Rolle hinaus. Gerade wenn’s ums professionelle Zocken geht, boomt die Branche mächtig. Die Top-Protagonisten der eSport-Szene können sich heute über sechsstellige Preisgelder freuen.

Bisher ist der eSport in Deutschland noch kein offiziell anerkannter Sport. Das wird sich voraussichtlich ändern. Die Bundesregierung hatte das Thema in ihren Koalitionsvertrag aufgenommen und wird es aller Voraussicht nach als offizielle Sportart anerkennen. Es ist sogar im Gespräch den virtuellen Sport olympisch zu machen. Dagegen spricht aber (noch), dass die Sportarten nicht in der Hand einzelner Unternehmen liegen darf.

Allein die Anerkennung des eSport als offizielle Sportart würde einen wichtigen Schritt für die Branche bedeuten. Junge Talente könnten gefördert, die Reisen zu den Austragungsstandorten vereinfacht werden.

Meilensteine des eSport

  • 125 Millionen Spieler haben 2017 den Online-Shooter „Fortnite“ gezockt, ab Herbst bekommt das Game eigene eSports-Turniere
  • „League of Legends“ ist das meistgestreamte Spiel aller Zeiten, die letzte WM sahen etwa 43 Mio. Menschen
  • Beim größten „Dota 2“-Turnier wurden insgesamt Preisgelder von knapp 25 Mio. Euro ausgeschüttet

Ist eSport wirklich Sport?

Der renommierte Sportwissenschaftler Prof. Dr. Ingo Froböse spricht sich ganz klar für den eSport aus. Grund dafür sind zahlreiche Parallelen zwischen eSportlern und „echten“ Profisportlern. Zum einen sind die Gamer ähnlichen Belastungen und Stress ausgesetzt, zum anderen ist der Puls mit 160-180 Schlägen pro Minute ähnlich wie etwa bei einem Läufer. Außerdem werden durch die Spiele Teamfähigkeit, schnelle Reaktionen und taktisches Denken geschult.

Im November letzten Jahres wurde der Verband ESBD (eSport-Bund Deutschland) ins Leben gerufen. Mithilfe der Organisation sollen gemeinsame Strukturen und Regelwerke vereinheitlicht werden – der eSport soll gesellschaftsfähiger werden.

Mehr als nur ein Trend

Der weltweite Erfolg gibt dem eSport Recht. Auch große Sportvereine haben das mitbekommen und sind nicht untätig geblieben. So wurden in kürzester Zeit eSport-Ressorts etabliert, u.a. bei TSG Hoffenheim, FC Schalke 04 und VfB Stuttgart.

Ich bin davon überzeugt, dass in Deutschland über die nächsten zwei bis drei Jahre nahezu jeder Verein in den eSport-Bereich einsteigen wird.

Christian Ruf, Bereichsleiter digitaler Vertrieb beim VfB Stuttgart

Immer mehr Investoren

Neben Profi-Sportvereinen steigen auch zusehends mehr Großinvestoren ein, zum Beispiel Gilette oder Vodafone. Da die Teams von diesen Unternehmen gesponsort werden, steigt der Druck für die Gamer enorm. Wer verliert oder sogar eine Liga absteigt, verliert oftmals seine Sponsoren, weil der Gamer dann nicht mehr genug Reichweite erzielt.

Da die Sponsorengelder aber einen so essentiellen Anteil an der Finanzierung haben, sind die Teams nach einem Abstieg teilweise nicht mehr wettbewerbsfähig und müssen sich teilweise sogar auflösen.

Gegenstimmen

Reinhard Grindel spricht sich ganz klar gegen den eSport aus. Der DFB-Präsidenten stellt fest: „eSport ist für mich kein Sport! Ich halte auch den Weg, der jetzt bei der Koalition beschlossen worden ist, für falsch.“

Christian Ruf vom VfB Stuttgart hält dagegen: „Es ist auch eine Denkleistung und um es ausführen zu können, muss man sehr viel Sport treiben – um fit zu sein, auch im Kopf, auch die Reaktionsfähigkeit. Es gibt auch andere Sportarten, die noch weniger Bewegung haben und trotzdem olympisch sind. Online werden die meisten Spiele und Turniere der Profis schon übertragen. Ich kann mir eSport in Zukunft auch durchaus als Teil der Sportschau vorstellen.“

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