Mann knabbert an Slip / ©iStock
Laura Dehmelt

Knusperparty: Dieses Sex-Märchen ist nichts für schwache Nerven

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“Knusper, knusper, knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?” – Wer sich jetzt auf eine erotisch aufgeladene “Es war einmal…”-Story freut, den müssen wir enttäuschen. Obwohl es sich bei der folgenden skurrilen Geschichte durchaus auch um ein Märchen handeln könnte. Ein nicht ganz jugendfreies und ziemlich abgefahrenes Märchen, das allerdings auf realen Begebenheiten bzw. Wünschen beruht: Das Märchen von der Knusperparty.

Was ist eine Knusperparty?

Das Urban Dictionary definiert die Knusperparty als “einen Sexualakt, bei dem die Frau das Blut ihrer Periode trocknen und von ihrem Partner während des Oralverkehrs essen lässt.” 

Klingt eklig, ist es auch. Aber das gilt auch für andere Sexualpraktiken, die unter die Rubrik Natursektspiele fallen und trotzdem von vielen Menschen praktiziert werden. Jeder nach seinem Geschmack also. Allerdings ist es durchaus verständlich, dass die Beichte eines jungen Mannes diesen Sexualakt betreffend über Jahre für ordentlich Furore sorgte.

Internetphänomen Knusperparty

Alles begann vor etwas mehr als sechs Jahren, wie Vice-Redakteur Richard Diesing in seinem Artikel “Mythos Knusperparty: Was steckt hinter der wohl ekligsten deutschen Internet-Beichte?” eindrucksvoll aufbereitet. Hier eine kurze Chronologie der Knusperparty-Ereignisse:

  • Die Facebook-Seite “Confessions. Beichte dein Geheimnis.” ist beliebt dafür, dass Nutzer hier anonym eine Nachricht an den Administrator schicken können und dieser die Geschichten, Fragen oder Geständnisse dann veröffentlicht, so dass die Community darauf reagieren kann. So auch im März 2013, als dieser Post online ging (leider nicht mehr verfügbar, aber hier gibt es einen Screenshot):

“Meine Freundin und ich, beide 30 Jahre jung, gehen gerne mal in den Swingerclub unseres Vertrauens. Daran ist ja erstmal nichts auszusetzen oder zu beichten. Jedoch haben wir bei unserem letzten Besuch ein Paar kennengelernt, welches eine Vorliebe hat, die meine Frau toll findet, ich jedoch nicht so … Der Name verspricht vieles, aber nicht das, was er sollte KNUSPERPARTY -> Wenn die Frau ihre Periode hat, lässt sie sich ein paar Wochen davor die Haare an der Vagina wachsen. Während der Periode lässt sie dann die ganze Soße in die Haare fließen und schön eintrocknen. Nach ein paar Tagen muss dann der Mann die eingetrocknete Soße abknuspern und schön essen. Bevorzugt mit Haaren und allem drum und dran. Ich habe nicht wirklich Lust darauf. Was meint IHR als Community?” 

  • Innerhalb kürzester Zeit verbreitete sich die Story auf allen sozialen Medien und in verschiedenen Foren, so zum Beispiel auch auf Kleiderkreisel. Hier kommentierte jemand: “Bahhh mir kam grad die Kotze hoch” und sprach damit wohl Vielen aus der Seele.
  • Aber auch auf YouTube, in Onlinespieleforen und auf klassischen Frage-Antwort-Plattformen wurde die Knusperparty heiß diskutiert und kommentiert.
  • Das zeigt auch die „Google Trends“-Auswertung für den Zeitraum nach der Veröffentlichung auf Facebook. Gibt es bis Mitte März 2013 so gut wie keine Suchanfragen zur “Knusperparty”, steigen diese ab dem 31. März 2013 extrem an und bleiben über zwei Jahre relativ konstant.
Suchanfragen Knusperparty Google / @Screenshot Google Trends
Suchanfragen Knusperparty Google / @Screenshot Google Trends
  • Im November 2015 kommt es dann noch einmal zu einem großen Peak. Grund dafür ist ein Post der Facebook-Seite “Dein Beichtstuhl”, die die Story in einer kürzeren Version noch einmal veröffentlichte. Der Post ist leider nicht mehr verfügbar, wurde aber bis dahin hundertfach geteilt und tausendfach kommentiert. Das spiegelte sich dann auch in den Suchanfragen wider:
Suchanfragen Knusperparty Google / @Screenshot Google Trends
Suchanfragen Knusperparty Google / @Screenshot Google Trends

Ist die Knusperparty real?

Auch dieser Frage geht Diesing in seinem Artikel auf die Spur und zieht dafür die Sexualtherapeutin Dr. Heike Melzer und den Sexualtherapeut Dr. Michael Petery zu Rate. Beide gehen davon aus, dass sich der Verfasser der Originalbeichte eher durch die Vielzahl und Vielfältigkeit der Reaktionen auf sein Geständnis erregen lassen wollte. Sie beide sehen darin eine Form von Exhibitionismus, schließen aber die Existenz der Praktik Knusperparty nicht kategorisch aus.

Sie verweisen sogar auf antike und frühchristliche Literatur, in der ähnliche Vorgänge durchaus geschildert werden. In dem viralen Post sehen sie allerdings eher die Absicht, mit einer möglichst verrückten Beichte so viele Menschen wie möglich zu schocken. Vielleicht ist der Verfasser der Beichte sogar der Seiten-Betreiber selbst, der damit die Beliebtheit seiner Seite steigern wollte – mit Erfolg. 

Knusperparty – Eine unendliche Geschichte

Was und wie viel Wahrheit auch immer hinter diesem Sex-Trend steckt, die Knusperparty erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit und ist weiterhin Bestandteil beliebtester Forenbeiträge. Es gibt sogar T-Shirts und Hoodies, die der Knusperparty ein Denkmal setzen wollen. Während auf einigen nur der Schriftzug mit einem vorangestellten Hashtag prangt, gibt es bei einem großen Onlinehändler auch ein T-Shirt mit dem Konterfei von US-Präsident Trump. Mund und Fingerspitzen in Blut getüncht, steht über und unter seinem Kopf “Make Knusperparty great again”. Das lassen wir an dieser Stelle einfach mal so stehen…

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