Antje Benda

Mando Diao: Björn Dixgård spricht über „Good Times“

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Wenn wir nach Marty McFly gehen, so ist die Zukunft immer veränderbar. Die fünf Schweden zeigen, dass sie sich verändert haben. Sie sind nach wie vor Björn Dixgårds Stimme und eine herbe freundliche Mischung aus Rock, Riffs und schwedischer Raffinesse. Doch, sie sind erwachsen geworden, bei sich geblieben und zeigen dies auch mit ihrem achten Studioalbum „Good Times“ und ihrem neuen Gitarristen Jens Siverstedt.

Double-Faced: Es gibt immer zwei Gesichter

SOHOMEN: „Good Times“ zeigt auf der Vorderseite nackte Männer vor einem Regenbogen, auf der Rückseite brennende Häuser und dann findet man in der Tracklist Titel wie „Break Us“, „Hit Me With A Bottle“, „Without Love“ oder „Money“. Alles etwas kühl wirkend. Stellt sich die Frage, ohne die Songs vorher gehört zu haben, wie viel Ironie hinter dem Album steht?

Björn Dixgård: Nicht so viel was die Musik angeht, es ist mehr das Artwork, welches „double-faced“ ist. Kurz zur Erklärung: Es war paradiesisch dieses Album zu machen, es herrschte eine sehr gute Chemie zwischen den Bandmitgliedern und so dachten wir, es wäre cool, das Cover entsprechend zu gestalten. Die Rückseite zeigt hingegen das, was hinter der Fassade liegt. Nämlich die Welt, die sich momentan in einer beschissenen Zeit befindet. Und in genau diesem Moment kommen wir mit etwas Positivem. Unserem neuen Album „Good Times“. Es sind halt immer zwei Gesichter – „double-faced“.

Charli Ljung / BMG

Das Album ist letztlich eine Entscheidung für die Band und gegen die Auflösung gewesen. Zu sehr sind sie Freunde und der Musik verschrieben. Der Weggang von Gustaf Norén (Gesang, Gitarre) 2015 schnitt zwar tief in die Band, aber ließ sie umso stärker auferstehen. Die Songs sind mutig, traurig und rockig zur gleichen Teilen. 14 Titel, die einfach live gesehen werden müssen, um die neue Cleverness in ihren Songs zu erleben. Als ersten Smasher hauten sie die Up-Tempo-Nummer „Shake“ raus, die nicht nur zum Tanzen animiert.

SOHOMEN: Beim Hören der Titel schleicht sich der Eindruck der Reflexion eurer letzten Jahre ein, in denen eine Menge passiert ist. Ist dem so?

Björn Dixgård: Naja, so halb, sicherlich ist Musik schreiben für uns ein gewisses Maß an Therapie. Man könnte es wie ein Tagebuch sehen, das ist normal. Aber manchmal macht es auch einfach nur Spaß sich Geschichten auszudenken, ich stell mir das ähnlich vor, wie ein Kinderbuch zu schreiben. Also eine Mischung aus Reflexion und erfundenen Stories.

SOHOMEN: Nehmen wir doch mal ein Beispiel, wie steht es um den Song „Brother“. Reflexion oder Kindermärchen?

Björn Dixgård: Wir wollten mit dem Song dieses Noir-Gefühl hervorrufen, so wie ein alter 1920er Film. Also mehr das Märchen. Neu ist ja auch der Fakt, dass jeder in der Gruppe an den Songs mitschreibt und dadurch entsteht Vielfalt. Das Schöne an Musik ist auch, dass zwei Menschen, die den gleichen Song hören, unterschiedliche Dinge wahrnehmen.

Die Songs erinnern an die jungen Mando Diao, nur auf eine andere Art. Man denkt zurück an ihren Einstieg 2004 mit der Nummer „Bring ‘Em In“ oder eines der folgenden und energetischen Alben wie „Hurricane Bar“. Es folgten Auszeichnungen und Arbeiten, die ihnen in Schweden wohl ewigen Ruhm einbrachten. Was stets gleich blieb war ihr Stil, der an die 60er und 70er Jahre erinnert. Brav und wild zugleich.

Der Freddy Mercury Pitch

SOHOMEN: Lass uns noch auf ein paar Titel schauen. Ich mag den Song „Break Us“ sehr. Er ist traurig und ermutigend. Was steckt hinter der Nummer?

Björn Dixgård: Der Song wurde von unserem neuen Gitarristen Jens geschrieben, es ist eine Liebesgeschichte. Es ist auch ein gutes Beispiel für die unterschiedlichen Sichtweisen. Für mich ist der Song nämlich eher sowas, dass Mando Diao nicht aufgeben sollen.

SOHOMEN: Nun zu „Good Times“: Es ist eine sehr spezielle Nummer. Nicht wegen dem Sound, sondern mehr der Stimme. Sie ist höher als sonst und hört sich nach 70er-Jahre-Geschrammel an. Was ist da passiert?

Björn Dixgård: Ich habe es eigentlich wie immer gemacht. Manchmal muss man mich einfach stoppen, weil ich wie ein gedopter Hase bin, wenn ich singe. Ich singe einfach immer und das auch in unterschiedlichen Bildern. In dem Song ist es tatsächlich ein sehr hoher Pitch. Ich nenne ihn gern den Freddy Mercury Pitch oder Super High Pitch. Wenn ich als Kind Freddy Mercury, Janis Joplin oder Michael Jackson gehört habe, fühlte ich eine Verbindung. So wollte ich auch singen. Ich habe natürlich meine eigene Stimme gefunden, aber dieses „Lauter-als-das-Leben-Singen“ liebe ich. Hinzu kam, das wir damals unseren ehemaligen Drummer Samuel Giers lange nicht gesehen hatten und dann total euphorisiert waren. Wir haben zusammen gejammt und dann kam von Sam die Bassline und die Drums für den Song. Das hat mich einfach inspiriert. Es war eigentlich total unerwartet, dass der überhaupt passierte. Sam hat in seinem ganzen Leben noch nie eine Note geschrieben, so wie der Rest auch und dann ist das schon ziemlich cool.

SOHOMEN: Den letzten Titel den ich anspreche, ist „Without Love“. Wer ist die Frauenstimme im Song?

Björn Dixgård: Das ist Patricks (Drummer) Frau gewesen. Wir haben vor ein paar Monaten herausgefunden, dass sie eine fabelhafte Sängerin ist, aber ein bisschen schüchtern. Wir haben eine Frau mit so einer Stimme in dem Moment gesucht, also war es perfekt.

Ob das Album insgesamt perfekt ist, liegt im Auge des Betrachters. Auf jeden Fall sollte es einen Platz in jedem gut sortierten Musikregal bekommen. Mando Diao sind zurück und zwar anders, genauso gut und ein Stück erwachsener.

Erik Weiss / BMG

Mando Diao planen Tour

SOHOMEN: Ihr habt dieses Jahr drei Konzerttermine. Am 11. Mai in Berlin, 23. Juni auf dem Southside und am 25. Juni auf dem Hurricane. Plant ihr eine Tour für 2018?

Björn Dixgård: Ja, wir sind das gerade am diskutieren. Ich denke schon, aber Termine sind noch keine vorhanden. Es wird wohl eine Europa-Tour werden, in der natürlich auch Deutschland inbegriffen ist.

Das Interview wurde am 4. Mai 2017 per Telefon zwischen Björn Dixgård und Antje Benda geführt. Den Tag zuvor feierten Mando Diao den 40. Geburtstag ihres Drummers Patrick Heikinpieti.

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