Mann mit Smartphone /©iStock
Laura Dehmelt

Sei ehrlich! Bist du ein Phubber?

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Wir schreiben das Jahr 2019 und was sich vor knapp 20 Jahren noch niemand ausmalen konnte, ist nun brutale Realität: Wir können ohne unser Smartphone nicht mehr leben. Ständig werden Mails, Nachrichten und Soziale Medien gecheckt und das Ding mal für eine halbe Stunde unbeachtet zu lassen, kostet uns eine Überwindung, die einem Sprung ins Ungewisse gleicht. Aber noch schlimmer ist es, dass wir dieser exzessiven Smartphone-Gewohnheiten, ja dieser Sucht, selbst dann frönen, wenn wir gerade in geselliger Runde sitzen. Wie unhöflich!

Die Smartphone-Sucht killt Beziehungen

Und damit sind nicht nur romantische Beziehungen gemeint, auch die Beziehung zu Freunden, Familie oder gar Geschäftspartnern. Denn wer sein Smartphone selbst dann nicht aus den Augen lassen kann, wenn es darum gehen sollte, Gespräche in den Vordergrund zu stellen, gibt seinen Mitmenschen schnell das Gefühl, sie würden nicht geschätzt, nicht beachtet. Natürlich gibt es dafür auch einen neudeutschen Begriff: Phubbing heißt das Phänomen, der Mitmenschen-unfreundlichen Smartphone-Nutzung.

Was ist Phubbing und woher kommt es?

Lustigerweise geht die Erfindung des Wortes Phubbing auf eine PR-Kampagne aus dem Jahr 2013 zurück. Hier brauchte eine Werbeagentur nämlich einen einprägsamen Begriff, um für einen Kunden – einen australischen Wörterbuchverlag – auf genau dieses, damals noch nicht weit verbreitete Phänomen aufmerksam zu machen. PR-Mitteilungen und redaktionelle Artikel, die sich mit Phubbing beschäftigten, wurden verbreitet und prompt von anderen Medien aufgegriffen.

Da sich das Wort Phubbing aus den Wörtern phone (Telefon) und snubbing (to snub – jemanden ignorieren bzw. vor den Kopf stoßen) zusammensetzt, macht es auch schon recht deutlich, was es bedeuten soll: Jemand wird ignoriert, weil sich das Gegenüber lieber mit seinem Smartphone beschäftigt. Wir erinnern uns: Etwas, was im Jahr 2013 längst nicht so ausgeprägt war wie heute, weshalb das Medien-Echo auf diese Kampagne natürlich groß war.

Doch auch wenn es sich anfangs um eine frei erfundene Erscheinung handelte, kristallisierte sich von Jahr zu Jahr heraus, dass es diese Form der Smartphone-Sucht das wirklich gibt und das Wort, das eigentlich ein PR-Gag war, etablierte sich im Wortschatz.

Phubbing: Woran erkenne ich, dass ich betroffen bin?

Eigentlich muss man sich und seine Smartphone-Nutzung nur einmal selbstkritisch beobachten, dann wird einem schon recht schnell klar, ob man ein Phubber ist oder nicht. Wer den Großteil der folgenden Fragen dabei mit Ja beantwortet, sollte jedoch unbedingt an seinem Verhalten arbeiten:

  • Beim Essen mit Freunden / Familie hängst du die ganze Zeit am Handy?
  • Du hältst das Handy die ganze Zeit in der Hand, um auch wirklich nichts zu verpassen?
  • Wenn dir bei einem Treffen langweilig ist, greifst du sofort zum Handy?
  • Hast du schon mal während eines Dates auf dein Handy geschaut?

Was kann ich gegen Phubbing tun?

Wie jede andere Sucht, ist natürlich auch die Sucht nach dem Smartphone, nach dem ständigen “up to date”-Bleiben, nicht so einfach zu überwinden. Doch vielleicht hilft einfach schon der Gedanke an das Gegenüber und die Frage: Wie würde ich mich fühlen, wenn ich gerade eine interessante Story erzähle oder von einem Problem berichte und mein Gesprächspartner die ganze Zeit abwesend auf sein Handy blickt? Nicht gut, oder?

Deshalb das Handy einfach in der Tasche lassen, möglichst lautlos und stumm geschaltet, und der Versuchung widerstehen lernen.

Und wenn ich das “Opfer” von Phubbing bin? Auf keinen Fall schweigen, sondern die jeweilige Person immer wieder darauf aufmerksam machen. Was bei Geschäftspartnern oder den Eltern vielleicht etwas schwerer zu realisieren ist  als bei Freunden: Dem Unmut wirklich Luft machen und im Extremfall damit drohen, die Verabredung zu beenden. Oder beim nächsten Treff mit der Clique die Handys einfach in eine große Schale werfen und in einen anderen Raum bringen.

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