Drei junge Erwachsene starren auf ihr Handy
Ben Pötke

Smartphone-Sucht: Einfach mal loslassen?

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Aus unserem täglichen Leben sind Handys mittlerweile nicht mehr wegzudenken.  Hierzulande nutzen inzwischen 57 Millionen Menschen ein Smartphone. Zum Vergleich: Im Januar 2009, also ein gutes Jahr nach Markteinführung des iPhones in Deutschland, welches ab November 2007 verkauft wurde, gab es lediglich 6,3 Millionen Smartphone-Nutzer in der Bundesrepublik. Auch wenn die kleinen Helfer mitunter überaus nützlich sind, können Smartphones durchaus Suchtpotential entwickeln. Denn im Gehirn der Nutzer spielen sich beim Gebrauch ähnliche Vorgänge ab wie bei Glücksspielen. Wir erklären euch, ab wann man als Smartphone-süchtig gilt, welche ersten Anzeichen euch aufhorchen lassen sollten und was ihr dagegen tun könnt.

Wie entsteht Smartphone-Sucht?

Viele Menschen nutzen ihr Smartphone mittlerweile in unzähligen Lebenssituationen. Egal ob Essen bestellen, shoppen, chatten, spielen oder den perfekten Partner finden, das Handy ist immer dabei. Wer dabei aber nicht aufpasst und sein Nutzungsverhalten nicht mehr steuern kann, wird schnell zum Sklaven seines eigenen Handys und seiner Nutzungsgewohnheiten. Denn ähnlich wie bei Computer- oder Glücksspielen kann eine übermäßige Handynutzung in eine Sucht übergehen. Grund dafür sind gewisse Vorgänge in unserem Gehirn.

Durch unerwartete, positive Ereignisse oder Überraschungen wird im Gehirn das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet. Dies kann beispielsweise passieren, wenn wir endlich den fiesen Endgegner in unserem Lieblingsspiel besiegt oder drei Mal die 7 am einarmigen Banditen erscheint. Unser Handy hält im Laufe eines Tages eine Vielzahl an solchen Überraschungen bereit. Jemand hat unser neustes Bild auf Facebook kommentiert, eine Eilmeldung unserer News-App fliegt rein oder eine neue Nachricht kommt über WhatsApp. All diese kleinen Meldungen sorgen dafür, dass uns das Dopamin in unserem Gehirn glücklicher werden und uns immer häufiger zum Smartphone greifen lässt.

Was sind die Risikofaktoren?

Doch ihr seid nicht automatisch süchtig, wenn ihr öfter mal euer Handy in die Hand nehmt. Der ein oder andere ist alleine schon aus beruflichen Gründen auf das Smartphone angewiesen und nutzt es daher häufiger als seine Mitmenschen. Dennoch gibt es einige Risikofaktoren, die jeder Mensch mitbringt. So kann es ein Anzeichen einer Handy-Sucht sein, wenn ihr euch das Smartphone greift, um euch in Stresssituationen abzulenken oder euch vor unangenehmen Aufgaben und Situationen zu drücken. Darüber hinaus ist es ein deutliches Warnzeichen, wenn selbst schöne Tätigkeiten unterbrochen werden, um wiederholt auf das Smartphone zu schauen.

Wenn das Smartphone also immer weiter in den Lebensmittelpunkt rückt und ihr dabei Hobbys, Freunde und Freizeit vernachlässigt, geltet ihr als besonders gefährdet, auch eine Smartphone-Sucht zu entwickeln. Wer auf der anderen Seite zwar stundenlang chattet oder daddelt, dafür aber weiterhin im Sportverein aktiv ist oder Zeit im gewohnten sozialen Umfeld verbringt, ist eher nicht als süchtig einzuschätzen. Dennoch sollten die ersten Anzeichen ernst genommen werden.

Was sind die Folgen einer Smartphone-Sucht?

Die Gefahr besteht darin, dass das Smartphone immer und überall dabei ist. Während die Spielkonsole oder der Gaming-PC in der Regel zu Hause steht, ist das Handy ein alltäglicher Begleiter in der Hosentasche und so in Sekundenschnelle erreichbar und einsatzbereit. Während durch Beruf oder sozialen Verpflichtungen beispielsweise eine Pause beim Zocken zu Hause eingelegt werden muss, kann auch unterwegs auf das Handy zugegriffen werden.

Wenn nun alle paar Minuten auf das Smartphone geschaut wird, leiden darunter die Produktivität im Beruf, die Qualität der sozialen Kontakte und am Ende somit auch das eigene Glücksempfinden. Laut einer nicht repräsentativen Studie schauen Nutzer im Schnitt 88 Mal am Tag auf ihr Display, in 53 Fällen davon folgt daraufhin auch eine Aktion. Diese ständigen Unterbrechungen der der eigentlichen Tätigkeiten führen dazu, dass die Konzentration leidet und die Arbeit nicht mehr so leicht von der Hand geht. Manche Wissenschaftler vergleichen dies mit einer Art Anti-Yoga. Während beim Yoga eine orthopädisch wertvolle Haltung eingenommen wird, in der sich daraufhin auf den Geist fokussiert wird, begibt man sich bei der Smartphone-Nutzung in eine orthopädisch unvorteilhafte Haltung und sucht dabei geistige Zerstreuung.

Wie bekommt man eine Smartphone-Sucht in den Griff?

Der erste Schritt, um gar keine Smartphone-Sucht zu entwickeln, ist eine gesunde Selbstreflektion. Eine allgemeine Sensibilisierung für das Thema sorgt dafür, das eigene Handyverhalten zu hinterfragen und so für mehr Achtsamkeit und Selbstkontrolle zu sorgen. Dazu gibt es verschiedene Apps (beispielsweise Checky, Offtime oder Hypnobeep, die das eigene Nutzungsverhalten aufzeichnen, analysieren und euch entsprechend belohnen, wenn ihr eure festgelegten Auszeiten einhaltet. Darüber hinaus kann es helfen, ein Konsumtagebuch zu führen oder sich zu überlegen, was man beispielsweise früher gern gemacht hat und in Zukunft wieder häufiger machen möchte. Dadurch wird gezeigt, wie häufig ihr eigentlich euer Smartphone nutzt und welchen Stellenwert euer Handy in eurem täglichen Leben einnimmt.

Außerdem kann es hilfreich sein, Offline-Tage einzulegen, an denen ihr einfach die Nutzung von mobilen Daten ausschaltet. Sollte etwas wirklich wichtig sein, seid ihr weiterhin telefonisch erreichbar. Auch kleine Maßnahmen können helfen. Legt euch beispielsweise eine Armbanduhr oder einen Wecker zu, anstatt die entsprechenden Funktionen am Handy zu nutzen oder steckt das Smartphone unterwegs in den Rucksack anstatt in die Hosentasche. So holt ihr es automatisch nur dann raus, wenn ihr es auch wirklich benötigt.

Richtige Erziehung als Grundlage für adäquate Handy-Nutzung

Bereits in frühen Jahren bekommen Kinder und Jugendliche ihr erstes Handy, häufig ist es bereits ein Smartphone mit einer Vielzahl an Nutzungsmöglichkeiten. Bevor die Jüngsten dann zu Smombies werden, sollten Eltern entsprechende Maßnahmen ergreifen, um ihren Kids einen geregelten Umgang mit den Smartphones nahezubringen. Komplette Verbote helfen dabei aber nicht weiter. Vielmehr sollten Alternativen zum Handy angeboten werden, beispielsweise durch Ausflüge oder anderen Aktivitäten. Außerdem schadet es dem Nachwuchs eher, wenn alle Klassenkameraden über WhatsApp kommunizieren und nur das eigene Kind außen vor ist.

Am besten ist es daher, mit gutem Beispiel voran zu gehen und das Handy einfach ab und zu mal zur Seite zu legen. So tut ihr euch selbst auch etwas Gutes.

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