Macho Man oder Softie? Der todsichere (Selbst-)Test für Männer

Macho Mann

05.10.2018. Männer befinden sich in einer Art Identitätskrise Anfang des 21. Jahrhunderts. So zumindest liest es sich, wenn man Ratgeber, Blogs und Sozialstudien liest. Aber ist das wirklich so? Wie lange kann so eine Identitätskrise dauern? Und welche Identität eigentlich genau?

Immer wieder liest man, Männer hätten es schwer – Herbert Grönemeyer hat es bereits in den 1980er Jahren besungen (“Männer”). Emanzipierte Damenwelt, sich verändernde Berufswelt, Haushalt und und und… Da weiß Mann gar nicht mehr, wo er hin gehört.

Bitte was?

Zumindest in Deutschland haben wir es spätestens seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit erst langsamen, dann immer schnelleren sozialen Veränderungen zu tun, angefangen bei den Trümmerfrauen über die Emanzipationsbewegung und die fast 100-prozentige Integration der Frauen in die DDR-Arbeitswelt bis zur heutigen geteilten Erziehungsarbeit.

Das sind gute 70 Jahre, in denen sich der Wandel bereits vollzogen hat. Das entspricht – je nachdem, wie man’s sieht – zwei bis drei Generationen. Und ja, die Entwicklung ist noch nicht am Ende (wenn sie überhaupt irgendwann endet).

Begriff: Matcho oder Macho?

Gemäß Duden ist die Rechtschreibung eindeutig: “Macho” ist ein Substantiv. Der Begriff wurde aus dem Spanischen entlehnt und bedeutet soviel wie “männlich”. Das eher selten verwendete Adjektiv ist “machistisch”. Im Spanischen jedoch bezeichnet der Begriff lediglich das Geschlecht (z.B. bei Tieren) – die im Deutschen (und anderen Sprachen) überwiegend abwertende, negative Nebenbedeutung (Konnotation) klingt im Spanischen bei diesem Wort nicht mit.

Folgende Synonyme werden gängigerweise verwendet:

  • Chauvi/Chauvinist
  • Macker, Angeber
  • Proll/Prolet
  • Pascha
  • Patriarch

Folgende Antonyme (Gegenteilwörter) sind gebräuchlich:

  • Softie
  • Pantoffelheld
  • Frauenversteher
  • Emanze (überwiegend, aber nicht nur, für Frauen verwendet)

Definition: Was macht einen Macho aus?

Was ist also ein Macho-Mann? Männer werden als Machos bezeichnet, wenn sie in übertriebener Art und Weise ihre Männlichkeit nach außen tragen. Dabei besteht oftmals eine Diskrepanz zwischen Selbstwahrnehmung und Außenwahrnehmung.

Das bedeutet, das Macho-Männer die Zurschaustellung ihrer Männlichkeit als positiv (beeindruckend, heroisch, tugendhaft etc.) für ihre Umwelt wahrnehmen, während dies bei Außenstehenden fast gegenteilige – nämlich negative – Assoziationen weckt (z.B. herrisch, Selbstüberschätzung, egoistisch, starrsinnig, rückwärtsgewand).

Das sind “typische Macho-Eigenschaften”:

Typischerweise werden Machos mit bestimmten Eigenschaften in Verbindung gebracht.

Von Außenstehnden mal als lächerlich, mal als bedrohlich empfundene

übertriebene Darstellung vermeintlich typisch männlicher Attribute,

wie Körperkraft, Macht, Reichtum, gesellschaftliche Stellung.

Machismus manifestiert sich üblicherweise in folgendem Verhalten:

  • Sie vertreten eher konservative Ansichten
  • (Festhalten an althergebrachten Rollenbildern; etwa dass Männer den Frauen überlegen seien oder dass Frauen an den Herd gehören.)
  • draufgängerisches Verhalten, oftmals auch aggressiv gegenüber der Außenwelt
  • Imponiergehabe
  • Ich-Bezogenheit, Egoismus
  • Unhöfliches Verhalten, oftmals herablassend gegenüber anderen
  • Pflege von Ritualen, z.B. Wettbewerben (Kräftemessen, Geschwindigkeitsrennen etc.)
  • Offene Zurschaustellung vermeintlicher Statussymbole (Autos, teure Uhren etc.)
  • Latente (z.T. unterschwellige) Verachtung und Erniedrigung von Frauen, die sich teilweise in Verhöhnung und Lächerlichmachen äußert (frauenverachtende Sprüche und Bemerkungen, Sexismus)
  • starke, mitunter übertriebene sexuelle Aktivität
  • Abwertendes, teilweise aggressive Verhalten gegenüber Homosexuellen (von Bemerkungen über Beleidigungen bis hin zu körperlicher Gewalt)

In einigen Subkulturen oder bestimmten gesellschaftlichen Szenen sind machohafte Verhaltensweisen besonders stark ausgeprägt, sodass man von Macho-Domänen, sprechen kann. Dazu zählen zum Beispiel die Autotuning-Szene, die Bodybuiling-Szene, teilweise die HipHop-Szene (insb. Gangsta-Rap-Kultur), Fußball-Ultras und Hooligan-Gruppen.

Warum Macho-Verhalten? Psychologie erklärt’s

Psychologen haben sich eingehend mit machohaftem Verhalten und der Frage beschäftigt, wie Mann zum Macho werden kann. Kernaussage ist, dass Machismus eine Kompensation von Minderwertigkeitsgefühlen oder verunsicherten Egos darstellt.

Das bedeutet, Machos verhalten sich so, um ihre (vorher angeknackste oder verloren gegangene) Männlichkeit wieder herzustellen. Denn Männer verstehen “Männlichkeit” nicht rein als Geschlechterzugehörigkeit, sondern vielmehr als Eigenschaft, die es durch soziale Interaktionen zu erarbeiten gilt. Und genauso können bestimmte soziale Interaktionen oder Verhaltensweisen diese Eigenschaft beeinträchtigen.

Entsprechende psychologische Experimente haben dies gezeigt. Darin sollten sich männliche Probanden Zöpfe flechten und hinterher auf einen Boxsack einschlagen. Sie schlugen bedeutend aggressiver auf den Sandsack ein, als Probanden einer Vergleichsgruppe, die sich keine Zöpfe flechten mussten.

Sozialer Abstieg (Arbeitslosigkeit, Berufswechsel), Isolation (Trennung & Scheidung) oder empfundene Ehrverletzung sind ebenfalls gängige Beispiele, wie Männlichkeit im gesellschaftlichen Miteinander verletzt werden kann und welche die Betroffenen mit übertriebenen Männlichkeitsattitüden zu kompensieren versuchen (z.B. Streitlust, Aggression).

Es gibt einen Macho in weiblich!

Das weibliche Pendent zum Macho wird oft als “Tussi” oder „Tusse“ bezeichnet. Damit sind Frauen gemeint, die ihre Weiblichkeit in übertriebenem Maße nach außen tragen. Ihnen werden gemeinhin folgende Attribute zugeschrieben:

  • extrem auf ihr äußeres Erscheinungsbild bedacht
  • knappe, körperbetonte Kleidung, teilweise aufreizend
  • Hang zu knalligen Farben und übertrieben viel Schmuck
  • Unterwürfigkeit und Hörigkeit gegenüber Männern, insbesondere Ehemann oder Partner

Bekannte Macho-Typen

Die Charaktere Berti (Til Schweiger) und Uschi (Tina Ruland) aus dem Film “Manta Manta” sind die klischeehafte, satirische Personifikation für Macho und Tussi. Berti gehört der Autotuning-Szene an, macht abfällige Bemerkungen gegenüber “Emanzen” und lässt sich nach verletztem Ego zu waghalsigen Rennen hinreißen, wobei der die gemeinsamen Ersparnisse mit Uschi zum Einsatz bringt. Uschi dagegen tanzt nach Bertis Pfeife und nimmt an einem Schönheitswettbewerb teil.

Weitere Machos aus Film & TV

  • Die Geissens
  • Cem (Elyas M’Barek) in “Türkisch für Anfänger” (Obwohl Macho Cem sein machohaftes Verhalten im Verlauf des Films ablegt)
  • Daniel (Christian Ulmen) als “Anti-Macho” in “Macho Man”

Lustige und wahre (?) Macho-Sprüche

Ein Macho ist ein Mann, der alte männliche Attribute kultiviert – aus Angst, man könnte ihn für keinen halten.

– Rainhard Fendrich

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